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Sauerländer-Holzverarbeiter kritisieren Berger-Gutachten


19.11.11

Mittelständische Holzbearbeitungsbetriebe aus dem Sauerland stimmen in die breite Kritik am Roland-Berger-Gutachten zum umstrittenen Nationalpark Teutoburger Wald ein. Im Gutachten seien die negativen Konsequenzen für Forstbetriebe und die Industrie verharmlosend dargestellt, so die Holzbearbeitungsbetriebe. Gleichzeitig würden die positiven Effekte für den Tourismus überbewertet. Die Unternehmensberater hätten ferner das große Potential eines naturgemäß bewirtschafteten Waldes im Hinblick auf Klimaschutz und Artenvielfalt außer Acht gelassen. Dies führe insgesamt zu einer verzerrten Abbildung der Ist-Situation und einer schwammigen Wirkungsanalyse. Die Holzverarbeiter aus dem Sauerland sehen das Projekt Teutoburger Wald als weiteren bedenklichen Schritt der Flächenstilllegungspolitik der NRW-Landesregierung.

Die Münchener Unternehmensberatung Roland Berger hatte im Auftrag des Kreises und des Landesverbands Lippe die Auswirkungen des Millionen-Projektes für die regionale Forst- und Holzwirtschaft beleuchtet. Ihr Gutachten stieß dabei auf massive Kritik der Holzindustrie-Verbände. Zuletzt hatte sogar der namhafte Waldbesitzer Stephan Prinz zur Lippe seine Beteiligung am Nationalpark verweigert. Seine Waldfläche sollte eigentlich rund ein Fünftel des angedachten Nationalparks ausmachen.
 
„Wir blicken derzeit mit Sorge in Richtung Teutoburger Wald. Dort dient womöglich ein Gutachten, das unübersehbare Schwächen bei Konzeption und Methodik aufweist, als Basis für eine so weitreichende Entscheidung. Wenn dieses Prinzip Schule macht, dann sprießen bald überall in Deutschland fragwürdige Nationalpark-Projekte aus dem Boden, die einzig auf einem wackeligen Gutachten-Fundament stehen“,  sagt Dr. Hubertus Weber, Geschäftsführer der Team-Timber GmbH in Schmallenberg, die Produkte und Leistungen heimischer Holzbearbeitungsbetriebe vermarktet. „Zudem möchten wir an dieser Stelle unsere Solidarität mit den Kollegen im Großraum des Teutoburger Waldes zum Ausdruck bringen. Für die Holzverarbeitungsbetriebe wie auch für die Waldbesitzer stellt der geplante Nationalpark eine existentielle Bedrohung dar.“

Anders als die Unternehmensberater von Roland Berger sehen die sauerländischen Holzverarbeitungsbetriebe mit der dauerhaften Stilllegung der Waldflächen im geplanten Nationalpark einen gravierenden ökonomischen Verlust für die dortigen Holzunternehmen einhergehen. Die so  wissentlich verknappten Rohstoffe könnten nicht ohne Einbußen aus anderen Regionen bezogen werden. „Wer Holz aus weiter entfernten Regionen einkaufen muss, hat hohe Transportkosten zu schultern“, erläutert Dr. Hubertus Weber. Bei der Problematik müsse man zudem den bundesdeutschen Kontext betrachten: „Der Rohstoff Holz ist überall rar. Eine zusätzliche Angebotsverknappung lässt die Rohholz-Preise weiter steigen.“ Ein weiterer Nachteil: Durch die zusätzlichen Transporte über große Distanzen würde der Ausstoß von klimaschädlichen C02 unnötig forciert. 
 
Besonders bitter stößt den Mittelständlern aus dem Sauerland auf, dass es Roland Berger versäumte, die Grundgesamtheit der rund 20 in der Region Teutoburger Wald ansässigen Holz-Unternehmen zu befragen. „Dadurch ist das Gutachten meiner Meinung nach in keinster Weise repräsentativ. Vielmehr legt diese seltsame Methodik den Verdacht nahe, dass von Anfang an seitens der Gutachter vorrangig in eine Richtung gedacht wurde“, so Dr. Hubertus Weber. Wie der Verband der Säge- und Holzindustrie Nord sieht auch er bis zu 900 Arbeitsplätze durch den Nationalpark akut gefährdet – und nicht wie die Gutachter nur rund 42 Jobs. 

Der Argumentation von Roland Berger, dass der Nationalpark dem Tourismus ein durchschnittliches Einnahmeplus von jährlich 4,5 Millionen Euro und in den ersten fünf Jahren 68 neue Arbeitsplätz bringe, kann Weber ebenfalls nicht folgen. „Das Gutachten übersieht an dieser Stelle, dass dafür beachtliche Subventionen fließen müssen. Und für die darf natürlich der Steuerzahler aufkommen. Ebenso für den Einnahmeverlust, der durch das nicht eingeschlagene Holz – dies sind bis zu 90 000 Festmeter – entsteht. Warum erst Arbeitsplätze bewusst vernichten und dann neue Stellen mühsam mit teuren Steuergeldern schaffen?“

Dass eine Förderung des Tourismus auch ohne Flächenstilllegungen möglich ist, zeigt das Musterbeispiel des beliebten Wanderweges Rothaarsteig. Mit diesem seien zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen worden, ohne das harmonische Miteinander zwischen Industrie und Tourismus zu gefährden, so Weber. „Die vernünftige Erkenntnis, dass Naturschutz auch in einem naturgemäß bewirtschafteten Wald möglich ist, hat sich dabei durchgesetzt.“ In diesem Zusammenhang betont Weber, dass ein gänzlich stillgelegtes Waldstück eine schlechtere CO2-Bilanz aufweist, als ein Waldstück, das naturgemäß und nachhaltig bewirtschaftet wird. Schließlich bleibt bei stillgelegten Flächen die Holznutzung mit der damit verbundenen langfristigen Fixierung von CO2 aus (z.B. in Dachstühlen, Möbeln).  Außerdem fördere der Nationalpark die Ausbreitung von Forstschädlingen, wodurch benachbarte Wälder gefährdet werden können.
 


News ID: 11STBHGAQ6

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